Was ist therapeutische Hypnose nicht?

 

Therapeutische Hypnose hat nichts mit Handlungsunfähigkeit und Spontanheilungen zu tun. Professionelle Hypnose hat auch nichts mit Starre und Weggetreten sein zu tun. Glauben und Meinungen dieser Art sind Volksglauben, welcher heute medienwirksam verbreitet wird. Tatsächlich wird dieses Bild mit heutiger aufmerksamkeitssuchender Showhypnose aufrecht erhalten. 

Showhypnose

Showhypnotiseure spielen mit allen beteiligten Elementen: Ihrem Aussehen, ihrer Technik und ihren Effekten, dem allgemeinen Glauben über Hypnose und nicht zuletzt mit dem Publikum und ihren „Opfern“.

 

Oftmals ist der Spieltrieb einer Versuchsperson das ausschlaggebende Argument, um an einer Showhypnose teilzunehmen. Der Antrieb wird dann innerlich ungefähr so formuliert: “ Na ja, ich spiele jetzt mal mit, das klappt ja doch nicht.“ Steht die Versuchsperson erst einmal auf der Bühne und gerät in den Strudel der Show, ist es schwer wieder auszusteigen. Die Scheinwerfer sind auf die Versuchsperson gerichtet, alle Zuschauer blicken gebannt auf das Geschehen auf der Bühne.

 


Showhypnose und Versuchskaninchen

 

Was passiert nun? Funktioniert es? Nein? Die Situation ist peinlich, die Versuchsperson gerät unter Druck. Wie ist jetzt ein Ausstieg möglich, ohne sich blamieren, weil die Hypnose nicht funktioniert? Wie fühlt es sich an, aus der Gruppe auf der Bühne wieder ausgestoßen zu werden? Jetzt ist tatsächlich viel Mut erforderlich, um die Situation ohne öffentlichen Schaden zu meistern. Die Folge dieser Situation ist: die Versuchsperson macht mit!

 

Schritt für Schritt wird die Versuchsperson nun durch die Hypnose geführt. Zweifel werden durch ein durchgängiges Weiteragieren des Hypnotiseurs unterdrückt. Neugierde wechselt sich mit Zweifeln ab. Nun hat die Versuchsperson schon eine ganze Weile mitgemacht, jetzt noch aussteigen? Unmöglich, das wäre ja noch peinlicher, also weitermachen.

 

Eine Inszenierung mit Bühneneffekten

 

Die Rahmenbedingungen, also die gesamte Inszenierung dieser Show bewirken ein scheinbares Gelingen der Hypnose. Alle Beteiligten empfinden sich immer mehr als einen Teil der Show, welcher von allen Anwesenden so akzeptiert wird.

 

Showhypnotiseure arbeiten auf der Bühne mit Verwirrung, sprachlichen Tricks und Bühneneffekten. Das Lampenfieber der Kandidaten unterstützt diese Taktiken. Ebenso wie die Unsicherheit der Beteiligten zu einem blinden Gehorsam führen kann, um ja nicht unangenehm aufzufallen, folgt die unsichere Versuchsperson blindlings den Anweisungen, „wird schon alles gut gehen“.

Ein weiterer Effekt auf der Bühne ist die soziale Isolation. Im Regelfall kennen sich die Versuchsteilnehmer untereinander nicht, tauschen sich daher nicht untereinander aus. Das führt dazu, das sich die Teilnehmer nicht mehr rückversichern können. Das Normale verschwindet, weil der Abgleich in der Gruppe fehlt.

 

Alles nur Show!

 

Der Prozess wird auf der Bühne wird als real angesehen und dem Versuchsleiter, also dem Showhypnotiseur gefolgt. Hier findet auch aus der Unsicherheit heraus eine Übertragung von Elternbildern statt. Findet sich eine Person in einer neuen ungewohnten, vielleicht auch ängstigenden Situation wieder, sucht diese Person Halt in den erlernten Beziehungsmustern aus der Kindheit. Somit erkennt das kindliche Ich den Showhypnotiseur als mächtig an und folgt und fügt sich fatalerweise. Diese Übertragungen werden von den Showhypnotiseuren unter zur Hilfenahme von kommandierenden Aufforderungen genutzt.

 

Experten schätzten, das nur ca. 5% der Versuchspersonen auf der Bühne tatsächlich hypnotisiert sind.

 

Der Rest steht unter dem starken manipulativen Eindruck eines subjektiven Erlebens.

 

Folgen von Showhypnose

 

Zu den Gefahren einer Showhypnose gehört ein verschleppter Trancezustand, also das unzureichende Dehypnotisieren. Aufgrund von mangelndem Wissen über die Versuchspersonen kann es zu schwerwiegenden Retraumatisierungen und verstärkten Ängsten kommen. Nach derartigen öffentlichen Veranstaltungen werden vereinzelt von den Teilnehmern folgende körperliche Symptome berichtet: Kopfschmerzen, Benommenheit, Schwindel, tagelanges Unwohlsein, Übelkeit und nervöses Zucken und Angstzustände.

 

Die unrealistischen Erwartungen, welche durch derartige Shows installiert werden, wirken sich negativ auf das Ansehen der therapeutischen Hypnose aus.

Derartige Veranstaltungen sind und bleiben Shows mit dem Risiko auf Seiten der Teilnehmer. Dem Showhypnotiseur ist nicht bekannt, ob seine Versuchspersonen unter dem Einfluss von Psychopharmaka stehen, psychotrope Substanzen zu sich genommen haben, Alkohol getrunken haben, schwanger sind oder an einer schweren psychotischen oder neurotischen Störung leiden.

 

Therapeutische Kompetenz fehlt

 

Die mangelnde Nachsorge und das Fehlen einer therapeutischen Kompetenz stehen im Vordergrund einer sehr skeptischen Betrachtung dieser Form der Unterhaltung. Diese unkalkulierbaren Risiken sollten dringend zu einem Verbot der Showhypnose führen, wie sie bereits in vielen Ländern besteht (z.B. Österreich und Schweden) und von den beiden großen Hypnotherapeutengesellschaften (M.E.G. und DGH) schon seit 1995 gefordert wird.

 

Klassische Hypnose

Die klassische Hypnose dient der Showhypnose als Vorlage.

 

Diese manipulative Form, welche geprägt ist von suggestiven Techniken, ist ursächlich dafür verantwortlich, dass viele Menschen der Hypnose an sich mit Skepsis begegnen.

 

In der klassischen Hypnose steuert der Hypnotiseur die Hypnose komplett und der Hypnotisant folgt den Anweisungen. In dieser Methode führt der Klient die zugeflüsterten Aufträge aus. Damit dieser Prozess funktioniert, muss sich der Klient völlig unterordnen.

 

 


Die Aufgabe des Therapeuten

 

Der Therapeut überlegt sich anhand der ihm vorliegenden Informationen, welche Suggestionen für den Klienten hilfreich sein könnten. Er suggeriert sie dem Klienten, den er zuvor in einen möglichst tiefen, hypnotischen Zustand versetzt hat.

 

Der Grundgedanke dabei ist, den hypnotischen Zustand für Veränderungen auszunutzen, denn in diesem Zustand ist die Kontrolle des wachen Bewusstseins mehr oder weniger deutlich reduziert – wenn auch nicht gänzlich ausgeschaltet. Immer wieder formuliert der Therapeut die Suggestion, üblicherweise redet er während einer solchen Sitzung sehr viel mit dem Klienten bzw. zu dessen Unbewusstem.

 

Liegt der Therapeut mit seiner Vermutung für eine hilfreiche Suggestion zufällig richtig, und sowohl das Unbewusste des Klienten als auch dessen Bewusstsein nehmen den veränderten Gedanken oder die veränderte Sichtweise an, dann kann die klassische Hypnose den gewünschten Erfolg produzieren.

 

Ein möglicher Schaden

 

Es ist jedoch genauso gut möglich, dass die Suggestion nicht passt oder sogar schädlich wäre. Viele Symptome, die mit der Hypnose behandelt werden sollen, sind selbst gar nicht das eigentliche Problem. Vor allem wenn diese Symptome nur als Signale dienen für ein tiefer liegendes Problem, das auf den ersten Blick gar nichts mit dem offensichtlichen Symptom zu tun haben muss.

 

In solchen Fällen kann es sein, dass die Hypnose (fast) überhaupt keine Wirkung zeigt. Oder das Symptom verschwindet durch die Hypnose tatsächlich, doch dafür tritt an anderer Stelle ein anderes auf, das die gleiche Funktion in Bezug auf das eigentliche, zugrunde liegende Problem übernimmt.

 

In beiden Fällen ist der Klient keinen Schritt weiter. Solange das eigentliche Problem nicht bearbeitet ist, kann sich höchstens eine kurzfristige Verbesserung einstellen.  

 

 

 

Der entscheidende Unterschied zwischen moderner und klassischer Hypnose

 

ist

 

die Grundhaltung des Hypnotiseurs!

 

Die klassische Hypnose gibt Anweisungen,

 

die moderne Hypnose macht Vorschläge.

 

Anweisungen müssen nicht befolgt werden, sondern Vorschläge dürfen geprüft werden.